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Brasilien - USA

 

Es war das intensivste Spiel diese Weltmeisterschaft bisher. Es bot beinahe alles, was der Fußball in seinem großen Repertoire hat um den Zuschauer zu unterhalten. Ein Eigentor, Platzverweis, geniale Einzelaktionen, umstrittene Schiedsrichterentscheidungen, beeindruckender Mannschaftsgeist und das i-Tüpfelchen Elfmeterschießen. Die USA setzten sich in einem denkwürdigen Viertelfinale gegen den Turnierfavoriten Brasilien um Weltfußballerin Marta durch.

Die erste Hälfte bot nach dem kuriosen Eigentor der brasilianischen Abwehrspielerin Daiane wenig Spannung – die Amerikanerinnen zogen sich weit zurück und agierten bei ihren gelegentlichen Konterversuchen zu überhastet, was ARD Kommentator Tom Bartels hörbar an den Rand der Verzweiflung brachte. Brasilien spielte überlegen, konnte daraus aber bis zur 68 Minute kein Kapital schlagen, als sich Marta im Strafraum gegen zwei durchsetzen konnte und nur noch durch ein Foul zu stoppen war. Die Folge, rote Karte und Strafstoß traf die Amerikanerinnen hart. Marta trat selbst zur Urteilsvollstreckung an, ließ jedoch ungeahnte Gnade walten und schoss der Torhüterin Hope Solo in die fangbereiten Arme. Anstatt die Großmütigkeit der brasilianischen Ausnahmespielerin zu belohnen, gab die Schiedsrichterin ihr eine zweite Chance ihre Kaltblütigkeit zu demonstrieren. Diese ließ sich die grimmig dreinschauende Spielmacherin nicht nehmen und verwandelte sicher zum umjubelten Ausgleich. Die folgenden zwanzig Minuten brachten keine Entscheidung, die Verlängerung wurde zur spannendsten halben Stunde dieser WM. Nach einem Geniestreich der, trotz ständigem Pfeifkonzert, wie entfesselt aufspielenden Marta führten die Zuckerhutfußballerinnen mit 2:1 und sahen wie die sicheren Siegerinnen aus. Dann kam jedoch dieser eine Moment, auf den alle Fußballer und Fußballfans hoffen. Eine Flanke aus dem Halbfeld, die brasilianische Torhüterin verschätzt sich leicht und die amerikanische Sturmlegende Wambach wuchtet den Ball in der letzten Minute der Verlängerung ins Netz. Das Elfmeterschießen musste die Entscheidung bringen, und hier nahm das Spiel einen dramatischen Verlauf. Wie in einer musikalischen Komposition, endete dieses Spiel auf seinem Ausgangspunkt. Die Tonika hieß in diesem Fall Daiane. Nach ihrem Eigentor, verschoss sie auch ihren Elfmeter und sorgte so für ein modernes Drama der Sportgeschichte.

16.7.11 17:38


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Selbstkritik


Es gibt Menschen, die außergewöhnlich begabt sind, deswegen außergewöhnliche Leistungen vollbringen jedoch durchaus dazu in der Lage sind über ihre eigenen Werke kritisch zu reflektieren und Fehler einzugestehen. Es gibt sogar Menschen deren Hang zur Selbstkritik so weit geht, dass er sich nicht mehr konstruktiv sondern destruktiv auf die Leistung ausübt. Eindeutig nicht zur letztgenannten Gruppe gehört die Trainerin der deutschen Frauenfußballnationalmannschaft. Sylvia Neid, eine weltweit anerkannte Fachfrau mit herausragenden Erfolgen, hatte bis jetzt wenig Grund sich selbst in Frage zu stellen. Im Verband sah dazu berechtigterweise auch niemand Anlass, der DFB verlängerte ihren Vertrag vor der WM bis 2016. Alles schien zu laufen wie auf Schienen, mit der Endstation Frankfurt und der erfolgreichen Titelverteidigung. Dann kam jedoch der Prellbock in Gestalt der japanischen Nationalmannschaft, und der Hochgeschwindigkeitszug mit Lokführerin Neid entgleiste schon auf halber Strecke von Berlin nach Frankfurt im Viertelfinale in Wolfsburg.

Dass die entscheidende Weichenstellerin dabei Sylvia Neid hieß, möchte die Lokführerin Sylvia Neid lieber nicht gesagt bekommen. Stattdessen moniert sie die mangelhafte mentale Verfassung der Spielführerin Birgit Prinz, die Verletzung der Schlüsselspielerin Kim Kulig und den schwachen Auftritt der Einwechselspielerin Alexandra Popp. Dabei gab die Trainerin selbst bei allen drei Personalien eine unglückliche Figur ab. Die öffentliche Demontage der langjährigen Kapitänin Prinz geht auf die Kappe der Bundestrainerin, die sich mehrfach ausführlich über die schlechte Verfassung der einstigen Weltklassespielerin ausließ. Die Wechsel, die sie im Anschluss an die Verletzung Kuligs vornahm, ließen einen klaren Plan vermissen und irritierten die beteiligten Spielerinnen. Die Entscheidung die junge Popp statt Prinz in der entscheidenden Phase des Spiels zu bringen war mutig. Hätte sie getroffen, wäre Neid gehuldigt worden, die unbekümmerte Duisburgerin jetzt aber öffentlich an den Pranger zu stellen zeugt von wenig Souveränität.

14.7.11 11:14


U Bahn Fahrt im Frühsommer

Der Sommer kommt in die Stadt und mit ihm die Sonne, das Grün an den Bäumen, Flip Flops, kurze Röcke und Grillabende im Park. Endlich ist der graue, kalte Winter vorbei und die Menschen tragen wieder ein Lächeln im Gesicht. Die meisten zumindestens. Ich würde mich nicht unbedingt zu der Gruppe der sommerphilen Sonnenanbeter zählen, die kalte Jahreszeit hat auch ihre Vorteile.

Beispielsweise ist das U-Bahnfahren bedeutend angenehmer in den Wintermonaten. Nehmen wir nur die Erfahrungen, die ich letzte Woche machen musste. Eine Freundin wollte nach langer Zeit mal wieder mit mir einkaufen gehen. Auf der anderen Seite der Stadt hat ein neues, meiner Freundin zu Folge, superschickes und billiges Geschäft aufgemacht, das man sich auf gar keinen Fall entgehen lassen dürfe.

Also rein in die U-Bahn (für so günstige Angebote muss es der Schnäppchenjäger schon mal auf sich nehmen, die halbe Stadt zu durchqueren) und bei 30 Grad Außentemperatur und gefühlten 60 Grad in der nicht-klimatisierten Bahn die dreizehn Haltestellen bis zum Ziel der Sehnsucht.

Auf dem Bahnhof ist es voll, die letzte Bahn habe ich um 2 Minuten verpasst. Die Schulklasse zieht sich kreischend gegenseitig an den Haaren und täuscht Selbstmordversuch auf den Schienen vor. Die Lehrerin erträgt das Chaos stoisch und wäre wahrscheinlich hoch erfreut, wenn eines der kleinen Biester mal Ernst machen würde. Die beiden 16 Jährigen von gegenüber rauchen geschätzte 4 Zigaretten in den 5 Minuten bis die Bahn kommt, das „Rauchen verboten“ Schild ignorieren sie spielend. Der nette Herr neben mir belästigt mich zum Glück nur unwesentlich mit seiner Mettbrötchenfahne, schlimmer ist da schon eher der sabbernde Kopf der Bulldogge gegenüber auf meinem Knie, das sich diese Ausgeburt der Hölle als Kopfkissen ausgesucht hat.

21.6.11 09:47


Friseurbesuch

Gestern war ich wieder mal beim Friseur. In einem Portal fürkostenlose Kleinanzeigen schaute ich nach den günstigsten Adressen der Stadt und wurde auch schnell fündig. Für lächerliche fünf Euro bietet der Friseursalon Haargenau einen Haarschnitt an. Für chronisch schlecht bezahlte Stützen unserer Gesellschaft wie mich genau das Richtige.

Beim Ausstieg aus der Großstadtsauna U Bahn sehe ich nicht so aus, als ob ich einen Friseur gebrauchen könnte, eine kalte Dusche oder ein Sprung in den Pool würden mir besser zu Gesicht stehen. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite schließlich das verheißungsvolle Schild: Haarschnitt 5 Euro!

Nix wie rein. Sechs weitere verschwitzte Zottel warten an diesem heißen Juninachmittag auf die „Behandlung“. Auf billigen Ikea Stühlen sitzend, blättern sie in Boulevardzeitungen von vor drei Wochen. Eine Friseurin und ein Friseur schnibbeln mehr oder weniger eifrig an den Köpfen zweier älterer Herren herum. Ich mustere die beiden verstohlen. Naja, sehen ja ganz zufrieden aus. Ich quetsche mich auf den letztem verbliebenen Stuhl und lese die Gala von vorletzter Woche in der Lena Meyer Landruth von ihrer Aftershowparty erzählt. Der männliche Friseur wird fertig und bittet den nächsten Kunden auf dem Stuhl Platz zu nehmen. Dieser lehnt jedoch dankend ab. Der fleißige Scherenakrobat schielt wie ein Maulwurf. Na toll. Deswegen also dieser Spottpreis. Die nächsten 45 Minuten, so lange musste ich warten, werden zum Psychothriller und Mathestunde zu gleich. Angstvoll wäge ich ab, wer wann an die Reihe kommt, wie lange die Friseure brauchen und wann ich dran komme um den Maulwurfsfriseur zu vermeiden. Endlich die Erleichterung: Die nette Friseurin bittet mich doch zu ihr herüberzukommen. Sie verpasst mir einen so fürchterlichen Haarschnitt, dass ich die nächsten drei Monate nur mit Zopf aus dem Haus gehen kann.

14.6.11 10:22


Stammclub

Jeder der gerne abends weggeht, hat wohl hat wohl einen Stammclub. Ein Stammclub ist meiner Ansicht nach, ein Club in den du immer gehen kannst, bei dem du genau weißt, was dich erwartet. Du kennst den Musikstil, die mies gelaunte Frau an der Garderobe hat sogar manchmal ein Lächeln für dich übrig, die Türsteher winken dich durch. Die Barleute sind natürlich schon längst deine Kumpel und geben dir ständig was aus, was du am Abend zwar extrem cool findest, am nächsten Morgen jedoch verfluchst, weil das Bier grundsätzlich gepanscht ist und deine Kopfschmerzen auch einen Elefanten in die Knie zwingen würden. Wenn du Besuch aus anderen Städten hast, führst du ihn unweigerlich hierhin aus, weil es erstens eigentlich immer witzig hier ist, und zweitens einen lässigen Eindruck macht, wie vertraut du dich hier bewegst. Kurz gesagt es ist dein feiertechnisches Wohnzimmer.


Wie fast alles im Leben, kann aber diese Wohnzimmeratmosphäre aber auch ihre Schattenseiten haben. Wir gehen ja gerade abends weg um den Wohnzimmer und der Alltagsroutine für ein paar Stunden zu entfliehen. Wenn sogar das Feiern in eine Routine abdriftet, wo bleibt dann das Abenteuer in unserem Großstadtleben? Wir leben nun einmal nicht in den Bergen oder am Meer, wo man nur vor die Haustür treten muss und man sich mit der Natur messen kann um sich so die nötigen Adrenalinkicks zu holen. Wir ziehen sie uns aus den Nächten von Freitag und Samstag, an denen wir unsere Grenzen austesten, mit der Musik verschmelzen und die Freude daran mit anderen Menschen teilen. So werden wir zu einem Teil der Stadt, die sich ständig wandelt. Wenn wir nun aber ständig im gleichen Club abhängen, ist das so, also ob jemand im falschen Moment die Stop-Taste drückt.


3.6.11 12:25





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